4. Dezember 2013

Eine Perle von Friedhof

Wundert Ihr Euch über den Post-Titel?

Wenn Ihr einmal den Stadtgottesacker von Halle (Saale) betreten habt, dann nicht mehr.

Die Stadt Halle und ihre Umgebung... Nun ja, ich bloggte bereits darüber. Eine Perle in dieser Gegend zu finden, ist genauso möglich, wie eine in einer Muschel zu finden. Doch ja, es ist möglich.


Ende Oktober 2013 folgen wir auf der Suche nach einem Nachmittagsspaziergangsziel dem Tipp von aus Halle stammenden Freunden und machen uns auf den Weg. Die Sonnenstrahlen weisen uns denselben.
Als das Navi das Erreichen des Ziels verkündet, können wir das erst kaum glauben, denn unüberwindbar hohe Mauern umgeben den Stadtgottesacker vor Halle und verbergen ihn vor den Blicken des Vorbeihastenden. Hinter diesen Mauern sind Arkaden angebaut, in denen die Grüfte bekannter Hallescher Persönlichkeit liegen, wie vom Gründer der Frankeschen Stiftungen August Hermann Francke und dem Historiker Johann Christoph von Dreyhaupt.


Hund Chamandi hat den Gatten im Griff :-)

Ab 1557 wurde der Gottesacker angelegt und ist damit ein recht seltenes Beispiel eines deutschen Renaissance-Friedhofs. 

Die Stimmung dort zu beschreiben, fällt gar nicht so leicht. Durch die Abgeschiedenheit zwischen den hohen Mauern entsteht auf der überschaubaren Fläche eine märchenhafte eigene Welt, die ihre eigenen Geräusche zu scheinen hat, ihre eigene Luft; selbst auf dem Boden laufe ich, als liefe ich im Wald. Zwischen den Herbstsonnenstrahlen schweben die Blätter manchmal langsam herab, manchmal tanzen sie schnell zu ihren Freunden hinunter auf den schon dicht belaubten und wunderschön unaufgeräumten Boden. 


Auf dem Gottesacker fühlen sich viele Tiere wohl, wie die nächsten Fotos zeigen.






Dass Studenten für ihren Universitätsprofessor einen Grabstein setzen lassen, mutet im 21. Jahrhundert so seltsam an. Damals, also im 19. Jahrhundert, war das jedoch üblich und - ehrlich gesagt - wundert man sich auf diesem Friedhof bald über gar nichts. "Gleiche Erde, andere Welt" ist einer meiner Lieblingssprüche und auf diesen Fleck unseres Planeten umfänglich zutreffend.

Eine der seltenen modernen Grabbepflanzungsgestaltungen.


Moos überall.




Tempus fugit.


1. Dezember 2013

Verkehrte Welt beim MDR

Pressekodex Ziffer 7: Trennung von Werbung und Redaktion. Die Sendung "MDR Garten" am 1. Advent 2013 zeigte, welch schmaler Grat es manchmal dazwischen ist.

Ausführlich und bildreich berichteten die Kollegen der MDR-Garten-Redaktion aus der und über die Ausstellung im Erfurter Palmenhaus, gestaltet von der Floristin Angela Lanz. Moderatorin Claudia Guck-Wollschal interviewte die Dame natürlich auch. Mal abgesehen davon, dass der Zuschauer nicht wirklich einen Informationsgewinn haben dürfte (Gelb wird sich als Weihnachtsfarbe nicht durchsetzen, aha!), blieb bei mir ein ungutes Gefühl: Hier wird doch eindeutig Werbung gemacht, oder?

Advents- und Weihnachtsausstellungen gibt es in Mitteldeutschland schließlich zuhauf und warum wird denn dann gerade diese eine ausgewählt? Weil hier die Weihnachtsbäume verkehrt herum hängen? Verkehrte Welt!

21. November 2013

"Bin im Garten!"

Wenn Ihr hier klickt, kommt Ihr zum Online-Händler.
Der Buchhändler Eures Vertrauens hat es vielleicht sogar im Regal
oder bestellt es auch :-)

"Endlich wieder Ruhe!" wird sich der Gatte denken, denn drei Tage lang habe ich abends nach dem Zubettgehen neben ihm gelegen und beim Lesen fast ständig ein Lachen unterdrücken müssen. "Bin im Garten!" von Susanne Wiborg ist das Buch für Gartenanfängerinnen. In kurzen Geschichten beschreibt sie, was einem so alles im Garten passieren kann - gieriger Giersch, rasant wachsende Rambler, riesig-fette Nashornkäferlarven.

"Auf seinen seltsam überdimensional und steif wirkenden gelben Beinen stakste er einfach einen Schritt seitwärts, ließ sich so würdelos ins besonnte Gras plumpsen wie ein sattes Haushuhn, spreizte die breiten, abgerundeten Flügel ab, legte sich halb auf die Seite und schloß behaglich blinzelnd die Augen. Da fehlte wirklich nur noch ein hallender Rülpser." schreibt Susanne Wiborg über den eigentlich pfeilschnellen, in diesem Fall aber meisenvollgefutterten Sperber.

Ja, der kleine Garten der Autorin taucht vor dem Leserauge auf, er wächst aus den Geschichten über Rosen und Quittenbäumchen zusammen zu einem grün-bunten Ganzen, zu einem Gartentraum. Eigentlich bräuchte es zur Untermalung dessen keine gedruckten Bilder, doch die wundervollen Graphiken am Anfang jedes Kapitels sind Rotraut Susanne Berners unverzichtbarer Beitrag zu diesem kleinen Kunstwerk.

Das Buch ist ein Geschenk - in meinem Fall im doppelten Sinne. Sylvia, ein besonders netter Gast unseres letzten Salongesprächs, brachte es zu diesem Anlass als überraschendes Geschenk mit. Ihr gebührt dafür mein wirklich inniger Dank! Und das Bändchen ist eben auch ein Geschenk, weil es viel Wissenswertes bereit hält, das Herz erfreut und mich sogar mal zum Weinen brachte, nämlich als es um "Kümmel" ging.

Mehr möchte ich nicht verraten. Lest selbst!